Globale Lieferengpässe im Maschinenbau

Globale Lieferprobleme belasten Maschinenbau - Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Veröffentlicht von Geyssel
14/12/2021
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Die Auftragsbücher der deutschen Maschinenbauer sind voll. Dieser für Deutschland so wichtige Wirtschaftszweig kommt bisher sehr gut durch die weltweite Krise. Ungefähr 10% mehr Umsatz werden erwartet. Es wäre aber noch mehr drin gewesen, bis zu 13%, wenn nicht die globalen Lieferengpässe die Produktion und den Versand beeinflussen würden. Erfahren Sie hier mehr darüber, wie es zu den Lieferproblemen kam, wie die Zukunftsprognosen diesbezüglich aussehen und welche Möglichkeiten ein Maschinenbauer in Deutschland hat, um seine Produktion zu sichern.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

Die neun wichtigsten Gründe für globale Lieferengpässe

Oft wird die Corona Krise als Grund für die weltweiten Lieferengpässe genannt. Diese war jedoch nicht alleine ausschlaggebend. Es gibt weitere Gründe, die wir hier kurz skizzieren:

  1. Anstieg des Konsums in vielen Ländern

    Bedingt durch wirtschaftlichen Aufschwung steigt der Konsum in vielen ehemals ärmeren Ländern stark an. Das wohl bekannteste Beispiel ist China, hier wirkt sich eine enorme Nachfragesteigerung auf die Weltwirtschaft aus. Aber auch aus anderen Kontinenten gibt es immer mehr Nachfrage nach Konsumgütern und Maschinen. Dies verändert langfristig die Warenströme und die Lieferketten weltweit. Teilweise sind Logistik, Verkehrswege und Infrastruktur darauf noch nicht optimal ausgerichtet.

  2. Managementfehler bei der Beschaffung

    Diverse Produzenten, z.B. in der Automobilindustrie, reduzierten die Bestellungen von Halbleitern, weil die Nachfrage nach Automobilen zwischenzeitlich nachließ. Als wieder mehr Bestellungen eingingen, ließen sich diese Komponenten nicht mehr im gewünschten Maße erwerben, da die Unterhaltungselektronik diese vermehrt aufgekauft hatte. Folgen waren sporadische Produktionseinstellungen in der Automobilindustrie aufgrund fehlender Komponenten. Und dies ist nur ein Beispiel.
    Insgesamt lässt sich konstatieren, dass die seit Jahrzehnten vorherrschende und im Laufe der Zeit optimierte Vorgehensweise der “Just-in-time”-Lieferungen in der aktuellen Situation mit weltweiten Lieferengpässen keine sichere Basis mehr für eine planmäßige Produktion darstellt. Besteller, die zu vorsichtig oder zu wenig bestellt hatten, werden nun bestraft. Die weitgehende Vermeidung von Lagerhaltung, Lagerkosten und Kapitalbindung – bzw. deren teilweise Verlagerung auf die Hersteller der Komponenten – rächt sich jetzt. 

  3. Personalmangel bei LKW-Fahrern & Personal in der Logistik

    Alleine in Deutschland fehlen ungefähr 80.000 Berufskraftfahrer und der Mangel wird immer gravierender. Jährlich gehen nämlich Schätzungen zufolge etwa 30.000 Fahrer in den Ruhestand, während nur insgesamt etwa 15.000 neue Führerscheine ausgestellt werden. Auch Personal für Lager und Be- und Entladung fehlt zunehmend, wie etwa Staplerfahrer. Diese Fakten tragen dazu bei, dass sich die Situation in der Logistik weiter verschärft.

  4. Einschränkungen der Produktion aufgrund von Corona

    Schließungen von Fabriken zunächst in China und später auch in anderen Teilen der Welt hatten große Auswirkungen auf die Versorgungslage weltweit bei bestimmten Endprodukten und auch bei Vorprodukten und Komponenten, die im Maschinenbau genutzt werden.

  5. Transportprobleme aufgrund Corona

    Die Schließung von Häfen in China zu Beginn der Pandemie und danach immer wieder bei neuen Covid Fällen sowie landesweite Lockdowns, wie zum Beispiel in Indien, führten zu enormen Transportproblemen. Die Waren türmten sich in den jeweiligen Häfen, konnten teilweise nicht entladen und weitertransportiert oder nicht geladen und verschickt werden. Dies hatte massive Einschränkungen in der Produktion zur Folge.

  6. Coronabedingte Konsumveränderungen

    Die Nachfrage nach Laptops, Druckern, Bildschirmen, Mikrofonen sowie nach Unterhaltungselektronik nahm aufgrund von vermehrtem Homeoffice und Lockdowns stark zu. Dagegen gab es in der Automobilindustrie zunächst weniger Nachfrage, was sich im Laufe der Zeit wieder geändert hat. Diese starken Nachfrageschwankungen stellen große Herausforderungen für die jeweiligen Produzenten dar und belasten die Lieferketten zusätzlich.

  7. Energiepolitik in China

    Der enorme Bedarf an Energie in China wirkt sich tatsächlich mittelbar auch auf die Lieferketten aus. China setzt immer noch zu 50% auf Kohlestrom. Wenn dieser knapp wird (z.B. aufgrund von Handelsstreitigkeiten mit Australien), wird Strom rationiert, was die Industrie in China und damit die Produktion wichtiger Komponenten bremst.

  8. USA-China-Konflikt

    Die Handelsschwierigkeiten zwischen den USA und China können weltweit Logistik und Produktion beeinflussen. Falls es Embargos oder Druck gibt, keine Komponenten mehr z.B. aus China in Maschinen einzubauen, die in die USA importiert werden sollen, stellt das Hersteller vor große Herausforderungen, da die Teile dann anderswo beschafft werden müssen.

  9. Einzelne Blockaden auf Transportrouten

    Vereinzelte Ereignisse, wie z.B. die achttägige Blockade des Suezkanals durch ein Containerschiff, zeigten deutlich auf, wie anfällig die internationalen Transportwege für Störungen sind und wie stark sich dies auf die internationalen Lieferketten auswirken kann.

Lieferengpässe sind in vielen Fällen eher das Symptom als die Ursache des Problems!

Das Chaos in den weltweiten Lieferketten und die dadurch verursachten Versorgungs- und Produktionsengpässe sind nicht alleine auf Corona zurückzuführen. Es liegen tiefgehende strukturelle Probleme vor. Die bisher vorherrschenden Strukturen müssen überdacht und angepasst werden. Mehr Produktion vor Ort, mehr Lagerhaltung und eine andere Herangehensweise bei der Beschaffung sind erforderlich, damit der Maschinenbau in Deutschland seine Erfolgsgeschichte weiter schreiben kann.

Welche Rolle spielt der Konflikt zwischen China und den USA?

Der Konflikt zwischen den USA und China bereitet auch den Maschinenbauern in Deutschland Sorgen. Die Befürchtungen, zwischen die Fronten zu geraten, sind groß. Mindestens die Hälfte der Betriebe bezieht Komponenten aus den USA oder aus China, meist handelt es sich dabei um elektronische Teile, aber auch Materialien wie Stahl, Gussteile oder Vorprodukte werden importiert. Kommt es zu Handelsstreitigkeiten, geraten die Produzenten weltweit unter Druck und riskieren Verbote des jeweils einen Landes, Produkte aus dem anderen Land zu kaufen und zu verwenden. Dies könnte die Versorgung mit Komponenten stark erschweren.

Der USA-China-Konflikt
Da viele Maschinenbau-Unternehmen Komponenten aus China und/oder den USA beziehen, führt der andauernde Konflikt zwischen den Ländern zu Problemen.

Aktuell ist jedoch vor allem der Containermangel weltweit ein Problem. Dieser ist zum Teil auf die Corona Pandemie zurückzuführen, die in China wesentlich früher begann als im Rest der Welt. Als China damals seine Fabriken und Häfen schloß, stapelten sich die Container in den Hafenanlagen, weil kaum noch Produkte aus China verschickt wurden. Da es insgesamt nur eine begrenzte Menge an Containern auf der Welt gibt, fehlten diese nun an anderen Orten, um Waren zu versenden. Das fragile Gleichgewicht des weltweiten Containerversands kam ins Schwanken und man geht davon aus, dass es noch viele Monate dauern wird, bis sich die Situation bessert. 

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es für einen Maschinenbauer bei Lieferengpässen?

Es gibt diverse Möglichkeiten, die Auswirkungen der weltweiten Lieferengpässe abzumildern. Die Firma Geyssel aus Köln, traditionsreiches Unternehmen im Sondermaschinenbau seit mehr als 50 Jahren, hat vielfältige Vorkehrungen getroffen, über die wir hier zusammenfassend berichten:

Höhere Lagerhaltung bei wichtigen Teilen

Lager aufstocken bei Lieferengpässen
Ein vorrausschauender Lagerbestand kann Engpässe vermeiden.

Die Aufstockung des Lagers spielt eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Engpässen im Maschinenbau. Wichtige Komponenten sollten ausreichend vorhanden sein. Dies bindet zwar Kapital in nicht unerheblichem Maße und bedeutet höhere Lagerkosten, kann aber vor Produktions- und Umsatzausfällen schützen.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Lieferkosten in den letzten Monaten rasant gestiegen sind und bei kurzfristigem Bedarf kostet z.B. Luftfracht enorm viel. Hier ist abzuwägen, ob eine erhöhte Lagerhaltung nicht im Endeffekt doch die günstigere Variante sein kann.

Alternativen bei Lieferanten & Komponenten suchen

Neue Wege bei der Beschaffung können helfen, Engpässe zu vermeiden. Die Suche nach neuen Lieferanten kann dabei genauso wichtig sein, wie die Prüfung und Verwendung von anderen Komponenten. Auch eine gezielte Nutzung von Restbeständen kann sinnvoll sein. 

Bezug von wichtigen Teilen aus Produktion in Deutschland

Lieferanten aus Deutschland bzw. der EU bevorzugt auszuwählen, verkürzt die Lieferwege und kann eine kurzfristige und zeitgerechte Beschaffung sicherstellen. Die Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland oder in die EU kann dabei große Chancen bieten, Lieferengpässe zu vermeiden. Vor allem bei wichtigen Komponenten und Vorprodukten ist diese unbedingt zu prüfen.

Lassen Sie sich hierzu eingehend beraten. GEYSSEL ist ein Sondermaschinenbau-Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im Bereich Sondermaschinen. Wir produzieren in Deutschland und fertigen die Sondermaschinen ganz nach Ihren Bedürfnissen.

Komponenten Überholen zur Wiederverwendung

Produktionsausfälle beim Kunden können auch vermieden werden, wenn defekte Komponenten vom Hersteller zurückgenommen und überholt werden, damit sie wieder eingesetzt werden können. Dies kann eine einfachere und schneller Lösung sein, als komplett neue Maschinen zu bauen, für die derzeit nicht ausreichend Vorprodukte vorhanden sind. Diese Möglichkeit bietet sich sowohl für den Maschinenbauer als auch für die Hersteller von Komponenten an.

Vorhandene Maschinen durch Umbausätze & Zusatzmodule updaten

Bereits im Einsatz befindliche Maschinen können durch Umbausätze oder Zusatzmodule so angepasst werden, dass veränderten Anforderungen an Produktionsabläufe oder Effizienz Genüge getan wird, ohne dass zwingend sofort neue Maschine gebaut und eingesetzt werden müssen. 

Serienmaschinen durch Modularisierung einfacher & gleichzeitig individueller gestalten

Langfristig kann es sinnvoll sein, den Weg der Modularisierung im Maschinenbau weiter zu beschreiten. Dadurch kann nicht nur die Effizienz im Maschinenbau gesteigert, sondern auch die Lagerhaltung optimiert werden. Tendenziell sind so weniger verschiedene Teile und Komponenten für verschiedenartige Sondermaschinen vorzuhalten. Es können dann mehr gleichartige Teile für Reparatur, Wartung und Bau vorgehalten werden. Die Abhängigkeit von speziellen Zulieferbetrieben und die Lagerdauer für Einzelteile kann verringert werden, da es nun tendenziell weniger nur selten genutzte Einzelteile gibt, die bevorratet werden müssen. 

Insgesamt betrachtet kann eine Maschinenbaufirma durch vorausschauende Planung und geschickte Nutzung von  Alternativen auch bei Lieferengpässen dafür sorgen, dass die Kunden zufriedengestellt werden.

Welche Lösungen zur Beseitigung der weltweiten Lieferengpässe sind möglich?

Langfristig muss weltweit in die Infrastruktur in Häfen, Schienen und Straßen investiert werden, um ein globales und gleichzeitig umweltschonendes Liefersystem zu entwickeln. Dieses muss zwingend weniger anfällig sein für Störungen als das heutige System und auch das Personalproblem in der Logistikbranche und die Arbeitsbedingungen müssen angegangen werden. Zur Lösung der Probleme kann aber auch beitragen, wieder mehr vor Ort zu produzieren und so die Menge an Lieferungen insgesamt zu reduzieren.

Vielleicht liegt auch die Lösung teilweise darin, wieder mehr vor Ort zu produzieren und damit die Menge an Lieferungen zu reduzieren.

Wie sind die Aussichten für den deutschen Maschinenbau in der Zukunft?

Die Aussichten für den deutschen Maschinenbau sind weiterhin gut. Stornierungen gibt es kaum, daher werden sich die Umsätze lediglich verschieben, wenn erst später produziert werden kann. Die weltweiten globalen Material- und Lieferengpässe machen sich jedoch bereits bemerkbar. Eine sorgfältige Beschaffungsplanung, die Erhöhung der Lagerbestände und die Prüfung von Alternativen sind daher für das einzelne Maschinenbauunternehmen immens wichtig, um weiter erfolgreich am Markt agieren zu können.

Nutzen Sie unsere Erfahrung - Wir beraten Sie gerne!

Fazit

Durch gute und vorausschauende Planung, Erhöhung von Lagerbeständen und die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen ist es dem Sondermaschinenbauer Geyssel aus Köln gelungen, weiterhin zuverlässig alle Kundenwünsche erfüllen zu können. Ein gutes Netzwerk an Zulieferern, eine solide Geschäftsbasis und die Nutzung neuer Technologien und Methoden werden für weiterhin gute Zukunftsaussichten sorgen.

FAQ

Die weltweiten Lieferketten sind fragil und störanfällig. Corona hat die Probleme verschärft, ist aber nicht der einzige Grund für die globalen Lieferprobleme. Diese liegen auch in der mangelnden Infrastruktur, in verändertem Konsumverhalten, in mangelnden Personalressourcen und in Managementfehlern im Beschaffungswesen.
Vorausschauende Planung, zuverlässige Lieferanten, mehr Lagerhaltung, alternative Komponenten und langfristige Modularisierung kann Maschinenbauern helfen, trotz Lieferengpässen die Produktion zu sichern.
Die Frachtkosten sind enorm angestiegen und falls Luftfracht notwendig wird, bedeutet dies immense Kosten. Allerdings bindet ein hoher Lagerbestand Kapital und die Lagerverwaltung kostet ebenfalls erhebliche Summen. Eine vorausschauende betriebswirtschaftliche Abwägung ist daher unbedingt erforderlich, um Produktionsengpässe zu vermeiden.
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